30.05.2016 | 16:21


 


Amerikanische Liebeslyrik

Amerikanische Liebeslyrik

Die amerikanische Literatur allgemein war sehr stark von der europäischen Literatur beeinflusst und entwickelte daher erst im 19. Jahrhundert ein Eigenleben. Geprägt von den Puritanern, die ab 1620 nach Amerika gelangten, hatten die meisten dichterischen Werke die Religion zum Thema. Die Strömung der metaphysischen Dichtung erreichte auch Amerika, an der sich auch dort einige Dichter orientierten. Wie schon die Dichter in England, schrieben nun auch die amerikanischen über Liebe und Religion, wie es bei der metaphysischen Dichtung üblich war.

Ebenso zeigten die Werke von Edgar Allan Poe (1809-1849) einen starken Einfluss der Epoche der Romantik, denn der Dichter sprengte die Rahmen der Realität und betrat den Bereich des Traumhaften und Spirituellen. Seine Werke waren sehr gefühlsbetont und sprachlich kunstvoll gestaltet, nicht zu vergessen ihre starke Bildhaftigkeit. Seine Liebesgedichte hatten oft den Tod einer Frau als Thema, den es für das lyrische Ich zu überwinden galt. Ganz im Sinne der Romantik sehnte sich aber das lyrische Ich nach der Verstorbenen und verzweifelte meistens an dem Verlust.

Auch die Dichterin Emily Dickinson (1830-1886) verarbeitete das Thema Liebe in vielen ihrer Gedichte. In einigen richtete sie sich an einen "Signor", "Sir" oder "Master", der als der ewige Geliebte der Lyrikerin bezeichnet wird. Wer letztendlich damit gemeint war, ob es sich dabei überhaupt um einen realen Mann handelte, konnte nicht endgültig geklärt werden. Da die Dichterin sehr zurückgezogen lebte und als menschenscheu galt, wird vermutet, dass ihre Liebesgedichte nicht auf tatsächlichen Affären beruhten. Vielmehr versuchte sie dieses komplexe Thema zu erschließen. Ihre Werke handelten von Verlust der Liebe, Liebesglück, Ehe, Einsamkeit und leidenschaftlicher Hingabe.

Gedichtbeispiel "An Helene" von Edgar Allan Poe:

 

An Helene


 
Helene, deine Schönheit ist für mich,
Was müden Wanderern ein Nachen, der
Sie sanft aus einem fernen Himmelsstrich
Hinüberleitet übers Meer
Zu heimatlicher Wiederkehr.

 Von wilden Meeren, wo ich ohne Ruh
Umhertrieb, führt dein hyazinthen Haar,
Dein klassisches Gesicht, Najade du,
Mich Hellas' frühem Glanze zu,
Der auch Roms Grösse war.

Im Rahmen jener Nische in der Wand

Stehst du gleich einer Statue - sieh!

Die Lampe von Achat in deiner Hand!

Ah, Psyche, aus Regionen, die

Gelobtes Land!.

 
Edgar Allan Poe (1809-1849)
übersetzt von Hedwig Lachmann (1865-1918), deutsche Schriftstellerin

 

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