5.12.2016 | 13:27


 


Russische Liebeslyrik

Russische Liebeslyrik

Ein Name, der eine große Bedeutung für die gesamte russische Literatur hat, ist Alexander Puschkin (1799-1837). Er gilt als russischer Nationaldichter und schrieb das Versepos "Eugen Onegin", mit der er die neuere russische Literatur begründete. Das Werk thematisierte unter anderem die unerwiderte Liebe eines Menschen zu einem anderen: Zuerst verliebte sich das Mädchen Tatjana in den Hauptcharakter Eugen, der sie aber nicht erwiderte. Später war es dann genau umgekehrt, als Eugen sich in Tatjana verliebte, die aber wütend auf ihn war und sich von ihm abwendete.
Auch der Lyriker Alexander Blok (1880-1921) machte die Liebe zu Hauptthema seines Gedichtbandes "Verse von der schönen Dame". Diese schöne Dame, der die Verse gewidmet waren, war allerdings keine irdische Frau, sondern vielmehr eine Madonna, eine unerreichbare himmlische Gestalt. Diese Frau erschien auch in seinem zweiten Gedichtband "Die unerwartete Freude", in dem die Dame immer noch unnahbar, kalt und stumm gegenüber ihrem Verehrer war. In seinem lyrischen Drama "Die Unbekannte" wurde die "schöne Dame" zum dritten Mal erwähnt. Dieses Mal erwies sie sich aber als ein schöner Stern, der am Himmel strahlte, bevor er dann als Sternschnuppe auf die Erde direkt vor die Füße des Dichters fiel. Dort verwandelte sich der Stern in ein schönes Mädchen namens Maria und war nun sterblich. Aber am Ende fuhr sie wieder zum Himmel hinauf und wurde wieder unerreichbar für den verliebten Dichter.

Gedichtbeispiel „Nachts“ von Alexander Puschkin:


Nachts




 
Mein Wort, das sanft dich grüßt bei Tag aus Herzensfülle,

Erregt der Mitternacht geheimnisvolle Stille.

An meinem Lager brennt der Kerze trübes Licht;

Die Reime, klangvermählt, beseelen mein Gedicht,

Der Quell der Lieder rauscht, gleich meiner Liebe Fluten;

Es lichtet sich die Nacht bei deiner Blicke Gluten

Und einer Stimme Ton schließt alle Wonnen ein:

"Mein Freund … ich liebe dich … dein bin ich … ewig dein!"

Alexander Puschkin (1799-1837)
übersetzt von Friedrich Fiedler (1859-1917), russischer Übersetzer

 

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