31.07.2016 | 07:25


 


Französische Lyriker

Französische Lyriker

Wir werfen einen Blick auf ein paar der bedeutsamsten Lyriker der französischen Literaturgeschichte:

Louise Labé (1524-1566) erhielt eine sehr gute und vielschichtige Bildung, obwohl sie als Tochter eines Seilfabrikanten nur eine Bürgerliche war. Sie lernte nicht nur die Laute zu spielen und zu sticken, sondern auch mehrere Sprachen, zu Reiten und sogar zu fechten. In ihrem Salon in Lyon traf sie sich mit Schriftstellern und Lyrikern, mit denen sie über die Liebe und die Stellung der Frau in der Lyrik und in der Gesellschaft diskutierte. Sie regte nicht nur ihre Freunde an, über diese Themen zu schreiben, sondern verfasste gelegentlich selbst Gedichte. 1555 publizierte sie einen Sammelband mit dem Titel "Œuvres de Louise Labé" ("Werke von Louise Labé"). Darin sind 24 Sonette enthalten, von denen einige zu den besten Gedichten in französischer Sprache zählen.

Victor Hugo (1802-1885) begann schon in seiner Kindheit, vermutlich im Alter von 10 Jahren, zu schreiben und zu dichten. Er nahm erfolgreich an Dichterwettbewerben teil und erhielt für seine Werke Auszeichnungen. Sein erster Gedichtband erschien 1822 unter dem Titel "Odes et poésies diverses" ("Oden und verschiedene Gedichte"). Das zweite Buch, "Nouvelle Odes" ("Neue Oden"), wurde 1824 publizert, und mit diesem Werk wurde der Dichter in den Kreis der französischen Romantiker aufgenommen. Weitere berühmte Werke Hugos sind "Notre Dame de Paris" (der gängige deutsche Titel ist "Der Glöckner von Notre Dame") und "Les Misérables" ("Die Elenden").

Charles Baudelaire (1821-1867) war ein bedeutender Vertreter der französischen Lyrik und der Strömung des Symbolismus. Sein berühmtestes Werk ist "Les Fleurs du Mal" ("Die Blumen des Bösen"), das mehr als 100 Gedichte des Lyrikers beinhaltet. Die Gedichte weisen zwar romantische Züge auf, zeigen aber ebenso eine hässliche und kranke Welt, in der das Individuum zwischen Gut und Böse hin- und hergerissen ist.
Der Dichter fühlte sich mit dem amerikanischen Schriftsteller Edgar Allan Poe geistesverwandt und übersetzte daher einige von Poes Werken. 1857 brachte Baudelaire einen ganzen Erzählband mit Erzählungen Poes heraus.

Paul Verlaine (1844-1896) las mit 16 Jahren "Les Fleurs du Mal" und von da an war Baudelaire sein Vorbild. Genauso wie jener wurde Verlaine schließlich ein Vertreter des Symbolismus, und in seinem ersten Gedichtband "Poèmes saturniens", der 1865 erschien, spürt der Leser den Einfluss Baudelaires.
Im September 1870 zog der Dichter Arthur Rimbaud zu ihm und kurz darauf begannen die beiden eine Liebesbeziehung, obwohl Verlaine verheiratet war. Die beiden Verliebten bereisten gemeinsam Nordostfrankreich, England und Belgien, was sie zu vielen weiteren Gedichte inspirierte. Allerdings verstritten sich die beiden so sehr, dass eine Versöhnung unmöglich war. Bei einer ihrer Auseinandersetzungen schoss Verlaine auf Rimbaud und verletzte dessen Handgelenk. Darauf folgten zwei Jahre Haft, in denen Verlaine aber auch sehr lyrisch tätig war. Dank des Gefängnispfarrers gewann der Dichter an Frömmigkeit und verarbeitete diese in religiösen Gedichten.

Arthur Rimbaud (1854-1891) las schon als Jugendlicher begeistert die Gedichtbände von Paul Verlaine und setzte sich mit seinem Vorbild brieflich in Verbindung. Verlaine lud den jungen Mann zu sich nach Paris ein, da der Dichter von den Werken Rimbauds beeindruckt war. Verlaine führte ihn in den Kreis junger Literaten ein, deren Anerkennung Rimbaud mit seinem 100 Verse langen Gedicht "Le bateau ivre" ("Das trunkene Schiff") gewann. Darin tritt das lyrische Ich als Schiff auf und berichtet in surrealistischen und traumartigen Bildern von einer steuerlosen Reise.
Rimbaud entwirft seine eigenen Theorien zur Dichtkunst und lässt den Dichter als Seher erscheinen, der in einem höheren Auftrag arbeitet. Seine selbst entwickelte Formel "Je est un autre" ("Ich ist ein Anderer") bedeutet, dass der Dichter als Seher über sich hinausgeht in neue Weiten der Phantasie, um so bisherige Grenzen zu überschreiten und sich selbst zu befreien.

Guillaume Apollinaire (1880-1918) hatte eine Tätigkeit als Auftragsschreiber, bei der er unter anderem auch als Ghostwriter arbeitete. Neben dieser Arbeit verfasste er aber auch eigene Gedichte und Erzählungen unter seinem Namen. Im Jahr 1912 veröffentlichte er seinen Gedichtband "Alcools" ("Alkohol"), der ursprünglich "Eau-de-vie" ("Schnaps") heißen sollte, alle bisherigen Werke Apollinaires beinhaltete und keine Interpunktion besaß.
Apollinaire beschäftigte sich auch mit Kunst, vor allem mit dem Kubismus, und prägte den Begriff Orphismus. Im Orphismus war die Malerei gegenstandslos und konzentrierte sich allein auf eine harmonische Farbkomposition.
Seinen Gedichtband "Calligrammes" ("Kalligramme"), der zahlreiche Figurengedichte des Lyrikers enthält, brachte Apollinaire 1918 heraus. Er formte seine Gedichte so, dass die dadurch entstandenen Bilder die Werke in ihrer Bedeutung unterstützen oder eine neue erschufen.

 

 

 

 

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