28.07.2016 | 22:12


 


Friedrich Hölderlin - Dichter und Schriftsteller

Friedrich Hölderlin - Dichter und Schriftsteller

Am 20. März 1770 wurde Friedrich Hölderlin in Lauffen am Neckar geboren und starb am 7. Juni 1843 in Tübingen. Anlässlich seines 170. Todestages wollen wir einen genaueren Blick auf das Leben des Lyrikers werfen, der unter seinen Zeitgenossen als wahnsinnig galt. Dafür haben wir Frau Katja Schneider interviewt, die sich während ihrer akademischen Laufbahn umfassend mit dem Dichter befasst hat. 

Was machte Friedrich Hölderlin zu einem berühmten Lyriker und Schriftsteller?
Katja Schneider: Sowohl Friedrich Hölderlins lyrisches Schaffen, als auch sein Roman „Hyperion oder der Eremit von Griechenland“, sowie seine fragmentarische Tragödie „Der Tod des Empedokles“ und seine Sophkles-Übersetzungen machen ihn zu einer zentralen Gestalt der Literatur um 1800. Darüber hinaus beeinflussen seine theoretischen und poetologischen Überlegungen die Literatur weitreichend.

Hölderlin verlor sehr früh seinen Vater und auch als Kind noch seinen Stiefvater. Hatten diese Todesfälle Auswirkungen auf sein Leben?
Katja Schneider: Diese Verlusterfahrungen sind für Friedrich Hölderlin sicherlich prägend. In einem Brief an seine Mutter vom 18. Juni 1799 beschreibt er den "unbegreiflichen Schmerz", den er ob des Todes seines zweiten Vaters empfand und der ihn selbst im Erwachsenenalter nie ganz verlassen sollte.

Hölderlin verehrte Friedrich Schiller. Nahm er sich ihn zum Vorbild? Versuchte er ihn nachzuahmen?
Katja Schneider: Friedrich Schiller ist für Hölderlin sicherlich eine wichtige Bezugsperson, gleichsam Objekt seiner Bewunderung und Förderer. Dass die Beziehung zwischen Hölderlin und Schiller jedoch nicht ganz unproblematisch ist, bezeugt ein Brief Hölderlins an Schiller nach seiner Abreise aus Jena. Diese begründet er unter anderem damit, die übergroße Nähe zu Schiller verlassen zu müssen, auch wenn er diese nun in der Ferne schmerzlich vermisse. Hölderlin versucht in seinem Schaffen immer wieder in Dialog, auch kritisch, mit den Schriften Schillers zu treten. Das Verhältnis der beiden bleibt spannungsreich.

Welche Auswirkungen hatte Hölderlins Krankheit auf seine Werke?
Katja Schneider: Als Isaak von Sinclair, ein Freund Hölderlins, im August 1806 an dessen Mutter schreibt, dass sein "Wahnsinn eine sehr hohe Stufe erreicht" hat, wird Hölderlin kurz darauf unfreiwillig in das Autenriethische Klinikum in Tübingen eingeliefert, aus dem er im Mai 1807 als unheilbar entlassen wird. Er wird in die Obhut des Schreinermeisters Ernst Zimmer überantwortet, in dessen Haus er bis zu seinem Tod lebt. In diesem Turmzimmer verfasst er Gedichte, die allgemein als "späteste Gedichte" bezeichnet werden. Diese Texte unterscheiden sich deutlich von seinem bisherigen lyrischen Werk. In den Jahren vor seinem Tod unterzeichnet Hölderlin viele seiner Gedichte mit dem Namen "Scardanelli".

Wird heutzutage noch genügend an Hölderlin gedacht? Zum Beispiel in Schulen, an den Universitäten oder in den Theatern?
Katja Schneider: Hölderlin wird nach wie vor neben Goethe und Schiller als einer der größten deutschen Dichter betrachtet. Dies schlägt sich darin nieder, dass sein Werk in den literarischen Kanon eingegangen ist und auch heute noch in Schulen und Universitäten behandelt wird. Ebenfalls zeugen zahlreiche wissenschaftliche Publikationen zu Hölderlins Werk von seiner Bedeutung.

Was denken Sie war sein bedeutendstes Werk? 
Katja Schneider: Diese Frage lässt sich nicht so leicht beantworten, da Hölderlins Schaffen sehr komplex ist. Sowohl sein lyrisches Werk als auch seine dramatische Arbeit wie auch der Hyperion-Roman nehmen innerhalb der deutschen Literaturgeschichte eine Schlüsselstellung ein.

 

 

 

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