30.09.2016 | 12:14


 


"An die Freude" von Friedrich Schiller

"An die Freude" von Friedrich Schiller

Eines der wohl berühmtesten Gedichte von Friedrich Schiller (1759-1805) entstand im Jahr 1785 und wurde auf die Bitte einer seiner Freunde hin geschrieben. Der Freimaurer Christian Gottfried Körner (1756-1831) war ein Förderer Schillers und gab auch die erste Gesamtausgabe von Schillers Werken heraus.
Schiller sandte das fertige Werk im November 1785 an den Verleger Georg Göschen (1752-1828), damit es in der Literaturzeitschrift Thalia abgedruckt werden konnte. Als Körner das Gedicht erhielt, verfasste er eine erste Melodie zu dem Text, die er auch Schiller zukommen ließ.

In seinem Gedicht betont Schiller, wie wichtig die Freude für den Menschen ist, nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für die ganze Gemeinschaft. Die Freude wird gleich zu Beginn direkt angesprochen, und im Laufe des Gedichts weist der Dichter darauf hin, dass die Freude ein natürlicher Ansporn und Motivation für das Leben sei. Alle sind dazu eingeladen, sich dem Kreis der Freude anzuschließen, sollten sie bereits von Freude erfüllt sein oder nach ihr streben. Dabei richtet sich Schiller jedoch nur an Männer, da er von "Brüdern" spricht, die ein "holdes Weib" errungen haben. In den letzten Strophen werden Vorsätze und Gelöbnisse gemacht und auch Wünsche geäußert, was man sich von der Freude erhofft.

Das Gedicht hat neun Strophen mit jeweils acht Versen und weiteren vier Versen, die den Chorgesang beinhalten. Die Aufgabe des Chores ist es, nach jeder Strophe die Gefühle der Versammelten im Kreis der Freude hervorzuheben, was dem Gedicht die Form eines Gesellschaftsliedes verleiht.

Da in dem Werk nur Männer angesprochen werden, wird es auch manchmal als frauenfeindlich angesehen. Gerade aufgrund der Zeile "Alle Menschen werden Brüder" wird gelegentlich die Aussage unterstellt, dass Frauen demnach keine Menschen wären bzw. nur in den Bund aufgenommen werden, wenn sie männlich werden. Die deutsche Sprachwissenschaftlerin Luise Pusch (geb. 1944) ist Begründerin der feministischen Sprachlinguistik und gab ihrem zweiten Buch zur Kritik der Männersprache in Anlehnung an Schillers Gedicht den Titel "Alle Menschen werden Schwestern".

"An die Freude" wurde mehrfach vertont, unter anderem schrieben die Komponisten Franz Peter Schubert (1797-1828) und Carl Friedrich Zelter (1758-1832) Melodien dafür. Am berühmtesten wurde aber die Komposition von Ludwig van Beethoven (1770-1827), die als 9. Sinfonie oder "Beethovens Neunte" heute weltweit bekannt ist. Dabei verwendete Beethoven die komplette erste und dritte Strophe sowie ein paar Teile der zweiten und vierten.
Der letzte Satz der Sinfonie ist seit 1985 die Hymne der Europäischen Union und des Europarates. Da keine Sprache bevorzugt werden sollte, entscheid man sich für eine rein instrumentale Version.
1970 erschien unter dem Titel "A Song of Joy" eine englische Version des Stückes, das 15 Wochen lang auf Platz eins der deutschen Charts befand.
Ebenso taucht Beethovens Vertonung immer wieder im Fernsehen, in der Literatur und auch in einigen Filmen auf, wie zum Beispiel in dem Action-Film "Stirb langsam".

 

 

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