25.07.2016 | 02:14


 


Tiere in der Lyrik

Tiere in der Lyrik

Der Panther
Zwei wichtige Eigenschaften des Panthers sind Stärke und Mut, die ihn in vielen Kulturen als Symbol für Herrscher, Anführer und Kämpfer gelten lassen. Er kennt keine Angst und geht keinem Kampf aus dem Weg, auch wenn der Gegner stärker und größer sein sollte. Die Bewegungen des Tieres sind geschmeidig und anmutig, daher steht der Panther auch für Eleganz.
Der schwarze Panther wird aufgrund seiner Fellfarbe auch als Bote der Unterwelt angesehen, aber auch als Führer für diejenigen, die nachts wandern gehen oder sich in der Dunkelheit verirrt haben.
Das berühmte Gedicht Der Panther von Rainer Maria Rilke handelt von einem gefangenen Panther, der in seinem Gefängnis leidet und sich nach der Freiheit sehnt. Er verliert immer mehr sein natürliches Wesen, entfremdet von sich selbst und wird weniger als Lebewesen, sondern vielmehr als Gegenstand betrachtet:


Der Panther

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf –. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.

Rainer Maria Rilke



Der Rabe
Er wird oft als Bote des Todes und der Dunkelheit angesehen und in Verbindung mit Hexen und dem Bösen gebracht. Die Begegnung mit einem Raben steht in der Literatur oft in Verbindung mit dem Tod und Übernatürlichen. Die Vögel werden im Volksglauben auch als schlechte Eltern für ihre Jungen angesehen, und so entstand der Begriff „Rabeneltern“ als Sinnbild für lieblose Menschen, die sich nicht um ihre Kinder kümmern. Ebenso hat das Tier den Ruf als Galgenvogel, der sich von den Resten Verstorbener ernährt. Im Mittelalter waren dies vor allem Hingerichtete, die nicht beerdigt wurden. Daher wurden Raben oft in der Nähe von Hinrichtungsstätten gesehen.
Allerdings hat der Rabe nicht nur negative Seiten, sondern auch sehr positive: In Märchen und Sagen weltweit symbolisieren sie Weisheit und Intelligenz, sodass Könige und Götter sich sie zu Nutzen machen. Zum Beispiel besitzt der nordische Gott Odin zwei Raben, die ihm erzählen, was in der Welt so geschieht.
Raben werden in der Literaturgeschichte gerne mit Übernatürlichem und Gruseligem verbunden. In Otfried Preußlers Werk Krabat verwandeln sich der schwarze Zauberer und seine Lehrlinge in Raben. Bei Edgar Allan Poes Gedicht Der Rabe stellt das lyrische Ich einem Raben immer wieder Fragen über Leben und Tod: Ob er seine geliebte Lenore wiedersehen wird, die kürzlich verstorben ist? Ob sein Schmerz über den Verlust gelindert werden? Ob er und Lenore gemeinsam im Himmel sein werden? Der Rabe antwortet auf alle Fragen gleich: „Nimmermehr“. Das Wort treibt das lyrische Ich immer weiter in die Verzweiflung, je öfter der Rabe es krächzt.


Der Fuchs

Schlau, listig und flink – diese Eigenschaften gelten dem Fuchs, der sie in der Literatur auch sehr zu seinem eigenen Vorteil ausnutzen weiß. Da er nur ein kleines Tier ist und oft auf den ersten Blick stärkeren Tieren unterlegen erscheint, nutzt er hinterlistig die Schwächen seines Gegenübers aus, um sich selbst zu retten.
Vor allem der Geschichte von Reineke Fuchs verdankt das Tier seine heutige Berühmtheit: Der Fuchs Reineke wird wegen seiner Verbrechen gegen allen anderen Tiere von ihnen angeklagt und zum Tode verurteilt. Mit List und Tücke kann er seinen Kopf noch aus der Schlinge ziehen, und auf Kosten und zum Schaden anderer Tiere wird er am Ende zum Kanzler des Reiches ernannt.
In einigen Kulturkreisen werden Füchse in Verbindung mit dem Bösen gebracht. Sie dienen als Begleiter von Hexen bzw. ergreift die Seele einer Hexe den Körper des Fuchses, um in dieser Gestalt Unruhe zu stiften, während der Hexenkörper zu Hause liegt. Ebenso sagte man ihm nach, dass er die Verkörperung des Teufels sei, da sein Fell rot ist. 


Die Katze
In der ägyptischen Mythologie wurden Katzen schon fast als Götter verehrt, da sie anmutig und schön sind. Die ägyptische Göttin Bastet hat einen Katzenkopf und wird auch oft als sitzende Katze dargestellt. Sie war die Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit und ein Sinnbild für die Schönheit, aber wachte auch über die Seelen der Toten. Auch in keltischen Sagen wurde gesagt, dass Katzen die Wächter der Toten seien und auch mit ihnen kommunizieren können.
Leider wird die Katze aber – wie schon der Rabe und der Fuchs – eher mit Hexen in Verbindung gebracht. Denn was eine Hexe schließlich ausmacht, ist eine pechschwarze Katze an ihrer Seite oder sogar auf der Schulter. Angeblich verwandeln sich Zauberer und Hexen gerne in Katzen, um so unbemerkt zu bleiben.
Früher eher ein Unglücksbote, heutzutage als Begleiterin des Schornsteinfegers eine Glücksbringerin: Katzen, die drei Fellfarben haben, werden auch als Glückskatzen bezeichnet. Jeder, der Katzen gut behandelt, erhält etwas von dem Glück. Wer einer Katze schadet oder sie gar tötet, wird vom Pech verfolgt.
In der Literatur wird das Tier gerne als eigenwillig, unberechenbar und mit einem Drang nach Freiheit dargestellt. Eine berühmte Katze der Literaturgeschichte ist der gestiefelte Kater, aus dem Märchen Der gestiefelte Kater der Brüder Grimm. Ebenso ist die Cheshire Cat aus Alice im Wunderland von Lewis Caroll sehr bekannt, da die Katze sehr gerne grinst und so im Deutschen unter dem Begriff "Grinsekatze" bekannt ist.

 

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